Tofu oder Rind? Der Gewissenskampf an der Fleischtheke




Es ist Grillsaison und daher heißt es wieder: „Fleisch, Fleisch, Fleisch“. Muss es wirklich Fleisch sein oder vielleicht doch lieber ein Tofuschnitzel? Diese Frage stellte sich eine Studentin der Uni Siegen, die seit zwanzig Jahren eine überzeugte Vegetarierin ist und urplötzlich wieder Lust auf ein zartes, mit Knoblauchbutter bestrichenes und mit Pfeffer und Salz gewürztes Rinderfilet hatte. Sollte sie sich den Genuss aus ethischen Gründen verbieten oder es doch mal wieder probieren? Ein Jahr dauerte der Kampf mit ihrem Gewissen, bis sie schließlich bereit war, beim Metzger ihres Vertrauens ein Stück Rinderfilet zu kaufen. Die Studentin beschrieb das Gefühl als eigenartig, und es kostete Überwindung, nach so langer Fleischabstinenz auch nur ein Stückchen Rinderfilet zu probieren. Den Geschmack kannte sie schon gar nicht mehr. Schon im Kindergarten hatte sie weder Wurst noch Fleisch gegessen. Ihr war es wichtig, auf Qualität zu achten, also auf Fleisch aus artgerechter Haltung und von einem möglichst glücklichen Tier. Fleischesser halten diese Denkweise vermutlich für verrückt, für paradox. Denn sie denken wahrscheinlich: Fleisch ist Fleisch – aber dem ist nicht so.


tofu Foto: Stefan Schwenzfeier.

Auch wenn jedes Stück Fleisch aus Eiweiß, Fett und Wasser besteht, gibt es gravierende Unterschiede im Geschmack und Qualität.


Einige kennen das bestimmt: Koteletts oder Schnitzel vom Discounter ziehen sich in der Pfanne oder auf dem Grill zu einem runzeligen Stückchen zusammen, das gar nicht mehr nach Fleisch aussieht und schon gar nicht mehr so schön rosé wie eigentlich erwartet. Das sind Anzeichen für qualitativ minderwertiges Fleisch, das schnell gezüchtet und mit künstlichen Geschmacksverstärkern versetzt wird. Qualitativ hochwertiges Fleisch hingegen, braucht Zeit zum Reifen und „wächst in der Balance zwischen Tierschutz Umweltbewusstsein und fachlicher Genauigke it“, so beschreibt es der niederrheinische Thönes-Naturverbund auf seiner Internetseite. In diesem Verbund haben sich Fleischerzeuger, Schlachter und Metzger auf Qualität verpflichtet und versuchen dem, durch die Werbung suggerierten „Geiz ist geil!“-Trend durch Fleisch aus artgerechter Haltung entgegenzuwirken. Die Konsumenten müssen zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, erhalten dafür aber auch Fleisch von ‚glücklichen Tieren’ ohne jegliche Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe.


Diese Art der Fleischerzeugungund -verarbeitung hat die Studentin überzeugt und sie dazu bewegt, wieder gelegentlich ein Stück Fleisch aus artgerechter Haltung zu essen. Dabei betonte sie.


Die Entscheidung liegt bei jedem selbst, jedoch erleichtert der bewusste Umgang mit Fleisch und den Respekt, den man den Tieren entgegenbringt, den gelegentlichen Verzehr eines leckeren Stück Fleischs.


Von Kristina Poschmann