Das Letzte


Antipathie zum Schluss. Diese Woche: 'Social Network Spammer'


"endlich mal wieder schnitzel. sehr geil." Schön, dass er seinen Freundeskreis am Mittagessen der Mensa teilhaben lässt. Schön, dass er seinen Teller abfotografiert und das Bild samt genannter Überschrift auf Facebook hochgeladen hat. Schön, dass er das Ganze noch mit "dazu pommes und mischgemüse. yeah!" kommentiert. Wer ein solch aufregendes Leben hat, dem bleibt im Grunde keine andere Wahl als ständig darüber Bericht zu erstatten. Erfahrene Facebook- Nutzer schütteln kurz mit dem Kopf und verändern augenblicklich die Einstellung ihre Profile, so dass sie fortan nicht mehr informiert werden, welche Abenteuer der Herr mit den Schnitzeln sonst noch erlebt. Es bleibt jedoch das Unverständnis über die Motivation für solche 'Social Network Spammer'. Denn mit der Oberflächlichkeit der 'Freundschaften' innerhalb von Internet-Plattformen wie StudiVz oder Facebook kamen sie zu ihrem großen Auftritt: Die entfernten Bekannten, ehemaligen Schulkameraden, Kommilitonen oder Arbeitskollegen, mit denen man auf offener Straße kaum mehr als zehn Worte wechseln würde. Man akzeptiert ihre Freundschaftseinladung aus Höflichkeit und setzt sich damit quasi freiwillig dem endlosen Kommunikationsfluss der Nichtigkeiten aus, die sie produzieren. Das Phänomen dabei ist, dass gerade die Menschen den größten Output solcher belanglosen Informationen haben, deren Alltag so interessant wie Kartoffeln schälen ist. Wenn selbst vehemente Nichtbeachtung und Überlesen nicht mehr hilft, besteht zum Glück die Möglichkeit, das große 'Mitteilungsbedürfnis 2.0' technisch zu unterbinden. Was folgt, ist meist die Selbstbestätigung, nie einen engeren Kontakt zum 'Social Network Spammer' gehabt zu haben.


Von Dennis Hofmann