Vom Studium in die Selbstständigkeit


Das Gründerbüro der Universität Siegen unterstützt Studenten bei der Gründung eines eigenen Unternehmens


Wer in der Berufswelt Fuß fassen will, muss Praxiserfahrungen vorweisen können. Eine Krux für viele Studierende, denn Praktika sind häufig unbezahlt, und nur selten dürfen verantwortungsvolle Aufgaben übernommen werden. Dabei stecken viele Studentinnen und Studenten voller kreativer Ideen. Dieses Potenzial erkennt eine zunehmende Anzahl von Universitäten.


Wie intensiv studentische Unternehmer an ihrer Hochschule gefördert werden, verdeutlicht die fünfte Studie "Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?" der LMU München aus dem Jahr 2009. Hier belegte die Universität Siegen den 15. von 59 bundesweiten Plätzen und verbesserte sich damit im Vergleich zu 2007 um 33 Zähler.


Ein wichtiger Grund dafür ist das Projekt "Die Unternehmer-Uni", welches im Jahre 2008 an der Universität Siegen ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, mit der Einrichtung des sogenannten "Gründerbüros", gründungsinteressierte Studierende, Alumni und Mitarbeiter der Universität bei dem Schritt in die Selbstständigkeit unterstützend zu begleiten. Unter Leitung von Kai Althoff berät ein interdisziplinäres Team die potenziellen Neueinsteiger. In Beratungsgesprächen werden Ideen geprüft, Pläne zur Umsetzung erstellt und Strategien zur Problemlösung erarbeitet. Darüber hinaus bietet die Unternehmer-Uni Seminare und Kurse an, die den Gründer auf die Selbstständigkeit vorbereiten. Einige studentische Unternehmer erhalten zudem die Chance auf ein Stipendium oder auch die Möglichkeit, ihre Ideen in der "Gründerschmiede" umzusetzen.


An der Universität werden ihnen hierzu ausgestattete Büroräume zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erhalten die Neugründer von Unternehmern aus der regionalen Wirtschaft Tipps für ihre Existenzgründung. Das Angebot des Gründerbüros findet regen Anklang. Derzeit betreut das Büro 40 konkrete Gründungsvorhaben. In der Gründerschmiede befinden sich sieben Jungunternehmen. Ihre Unternehmensideen reichen von der Eventplattform im Internet über die Marketingberatung bis zum Spielbaustein für Kinder.


Ein Beispiel für die erfolgreiche Gründung eines Unternehmens mit Unterstützung des Gründerbüros liefern die Wirtschaftsinformatiker Julian Reichwald und Christian Lütke Entrup. Im Jahr 2009 gelang den Doktoranden mit der Entwicklung einer Softwaretechnologie der Schritt in die Selbstständigkeit. Die Besonderheit der Gründung lag darin, dass ein Zusammenschluss mit zwei bereits bestehenden Unternehmen zur Unternehmensgruppe effexx stattfand. Die Junggründer ergänzen heute mit ihrer Softwaretechnologie zur Prozessoptimierung von Firmen die Geschäftsbereiche Telekommunikation, Informationstechnologie und Sicherheitstechnik von effexx. Ein Jahr nach der Gründung hat sich die junge Unternehmung erfolgreich auf dem Markt platziert und betreut bereits mehrere Kundenprojekte.



Foto: Unternehmensgruppe effexx

"Generell können wir sagen, dass die Gründung reibungslos verlaufen ist", sagt Lütke Entrup. Daran interessiert ein eigenes Unternehmen zu gründen, waren die Wirtschaftsinformatiker bereits während ihres Studiums. Die konkrete Idee, eine Softwaretechnologie zur Prozessoptimierung von Firmen zu erstellen, entstand schließlich in Zusammenarbeit mit den späteren Kooperationspartnern aus der effexx- Unternehmensgruppe.


Mit der Idee und dem Willen zur Unternehmensgründung suchten die Doktoranden fachliche Unterstützung beim Gründerbüro der Universität Siegen. Neben der Beratung und Hilfestellung vermittelte das Gründerbüro ein Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Im Rahmen dieses Stipendiums wurden die Studenten mit einem monatlichen Gehalt und der Deckung von Sachkosten Sachkosten gefördert. Zudem standen den Junggründern ein Mentor der Universität sowie ein Coach aus der freien Wirtschaft zur Seite, die den Gründungsprozess begleiteten. In einem Businessplan, hielten Julian Reichwald und Christian Lütke Entrup vor der Gründung die Ziele und Strategien ihres Unternehmens fest. Sie beschrieben das Geschäftsmodell, analysierten den Zielmarkt und erläuterten die Finanzplanung. "Der Businessplan schaffte Orientierung und ist ein Leitfaden für unser Vorgehen", erklärt Reichwald. Die Umsetzung des Geschäftsplans erfolgt bisher vielversprechend. Als Ziel setzen sich die Geschäftsführer nun, den Kundenstamm zu erweitern und somit das Unternehmenswachstum zu steigern.


Die erfolgreichen Junggründer geben Gründungsinteressierten den Rat, Durchhaltevermögen zu beweisen und ihre Ideen ausreichend zu prüfen. "Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen will, muss sich folgende Fragen stellen: Gibt es meine Idee schon oder ist sie wirklich innovativ? Ist der Bedarf dafür vorhanden? Und wo besteht eine Marktlücke? Das Gründerbüro ist bei der Beantwortung offener Fragen ein hilfreicher Ansprechpartner", erklärt Julian Reichwald.


Von Susanne Lebkücher