Es wird immer enger an den Unis


Wegen der doppelten Abiturjahrgänge strömen 2011 noch mehr Schulabgänger an die Universitäten und Fachhochschulen.


Vier Wochen vorher für die Sprechstunde des Professoren anmelden, drei Stunden am Prüfungsamt warten, für das Mensaessen zwei Freistunden einplanen und zum Studieren in überfüllten Hörsälen sitzen. Manchem mag diese Studium-Beschreibung bekannt vorkommen, doch wird sie bald wohl auf viel mehr Studenten zutreffen. Denn konnten solche Aufgaben bis jetzt von einigen ‚mal so eben‘ erledigt werden, wird es durch die doppelten Abiturjahrgänge wohl unmöglich werden, die Dozentin nach der Vorlesung schnell etwas zu fragen. Zwar haben das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ihre ersten doppelten Abiturjahrgänge bereits an die Bildungsstätten gebracht, die wirklichen Problemabschlussjahrgänge kommen aber erst noch, denn es folgen die bevölkerungsreichsten Länder in Deutschland: So ziehen 2011 Bayern und Niedersachsen nach, Baden-Württemberg und Berlin folgen im Jahr 2012 und im Jahr darauf wird die Flut der Schulabsolventen in Hessen und Nordrhein-Westfalen mit über 490 000 an der Zahl auf den Höhepunkt getrieben, schätzt die Kultusministerkonferenz. Die Situation ist unvergleichlich: Noch zehn Bundesländer entlassen bis 2016 ihre doppelten Jahrgänge in die Welt, weil sich die Schulzeit von dreizehn auf zwölf Jahre verkürzt hat. So schätzt die Kultusministerkonferenz, dass die Zahl der Absolventen, die eine Hochschulreife oder Fachhochschulreife haben, im Jahr 2011 auf knapp 490 000 steigen wird. Das sind 18 Prozent mehr als 2006.


Doch kein Problem für die Hochschulen, meint zumindest der Rektor der Universität Siegen, Prof. Dr. Holger Burckhart: „Die Universität ist auf die doppelten Abiturjahrgänge vorbereitet. Eine Arbeitsgemeinschaft entwickelt gerade intensiv Maßnahmen, um den Studenten gerecht zu werden.“ So haben Bund und Länder den Hochschulpakt II geschlossen, der die Universitäten und Fachhochschulen zwischen 2011 und 2015 mit fünf Milliarden Euro und extra 275 000 zusätzlichen Studienplätze unterstützt, um sie vor den Massen der Absolventen zu schützen. Die Uni in Siegen bekommt aus diesem Topf 74 Millionen Euro und muss dafür 3700 Studienanfänger in den Wintersemestern annehmen. Das Ziel dieser finanziellen Unterstützung ist es, direkt in die Universitäten zu investieren, um insbesondere neues Personal und Räume zu schaffen. Die Universität in Siegen plant dahingehend vorgezogene Berufungen vorzunehmen, das heißt die Uni würde Professorenstellen zeitweise doppelt besetzen. Zudem kann sich Burckhart vorstellen, zeitversetzt zweimal die gleichen Veranstaltungen anzubieten, um mehrere Studenten zu bedienen.


So oder so, es kommen harte Zeiten auf die Studenten zu. Zumindest der Konkurrenzgedanke wird wohl nun verstärkt an den Unis gelehrt…


Autor: Josephine Thiel