Die Welt erklärt in zehn Minuten


Beim Science Slam stellen Wissenschaftler ihre Forschungsgegenstände unterhaltsam dar


Der Moderator Rangar Yogeshwar bringt den wissbegierigen Zuschauern in seiner Sendung im Westdeutschen Rundfunk gerade die Wissenschaft vom Glück nahe. Dabei lernen sie, dass in dem Königreich Bhutan in Südasien weniger das Wirtschaftswachstum als das sogenannte 'Bruttonationalglück' Staatsziel ist. Jeder Bürger in Bhutan soll so glücklich wie nur möglich leben können mit Unterstützung der Regierung. In dem TV-Magazin Quarks&Co. hat es sich der Moderator und Diplom-Physiker zum Ziel gemacht, Wissenschaft unkompliziert zu erklären. Das, was die Zuschauer vor dem Fernseher sehen, kann jetzt live miterlebt werden: beim Science Slam.


Die Idee dahinter ist, dass die Teilnehmer - ähnlich dem bekannten Poetry Slam, bei dem Nachwuchsliteraten gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen - auf der Bühne einen möglichst unterhaltsamen Kurzvortrag präsentieren sollen. Nur geht es dabei nicht um Wortkunst allein, sondern um den Inhalt: Die Teilnehmer müssen binnen zehn Minuten ein eigenes Forschungsprojekt vorstellen. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Relevanz und den Prozess der Arbeit möglichst simpel und amüsant zu präsentieren. Ziel ist es, dem Publikum vermeintlich sperrige Themen zugänglich zu machen.


welt1 Der Physiker André Lampe gewinnt in Köln mit seinem kreativen Vortrag über Laserspektrographie. Foto: www.scienceslam.de/Daniel Fischer

Für die Studentin Eva-Maria Musholt, Organisatorin des ersten Science Slams in der Universitätsstadt Siegen, liegt darin das Besondere der Veranstaltung: "Wissenschaft hängt mit vielen alltäglichen Sachen zusammen. Die Kunst beim Science Slam ist es, die komplexe Fachsprache zu vereinfachen und Wissenschaft für jedermann aufzubereiten." Dazu treten die Forscher in einem Wettstreit gegeneinander an und müssen die Jury, die vorher aus dem Publikum ausgewählt wurde, mit einem spannenden, lehrreichen und unterhaltsamen Vortrag überzeugen. Anders als bei dem lyrischen Pendant dürfen dazu Hilfsmittel genutzt werden. So projizierten bereits einige Wissenschaftler zur Veranschaulichung ihre Forschungsthemen an Wände. Doch nur amüsant zu sein, reicht dabei nicht. Das Publikum will auch lernen und staunen. Nur wenn der Forscher das erfüllt, hat er die Chance auf das 'Goldene Gehirn, den Siegerpokal. Die Idee zum wissenschaftlichen Slam hatte im Jahr 2008 Markus Weißkopf, Leiter im Braunschweiger Haus der Wissenschaft. Dort fand inzwischen der bereits sechste Science Slam statt. Nachdem danach in Hamburg der erste wissenschaftliche Slam außerhalb der Universität stattfand, übernehmen immer mehr Universitätsstädte die kreative Idee und veranstalten den 'Kampf der Gehirne' in Kneipen oder Theatern - für die Zukunft ist ein deutschlandweiter Science Slam geplant.


Im Übrigen: Glück ist kein Zufall. Wenn eine Schauspielerin zum Beispiel gerade eine Premiere hinter sich gebracht hat, ist ihr Gehirn voll von Dopamin, im Volksmund Glückshormon genannt, das in körpereigenes Morphium umgewandelt wird, welches in Folge zum Gas Stickstoffmonoxid wird, das sich im ganzen Körper verteilt. Ein Glücksrausch entsteht. Oder, um es mit den Worten des MTV-Moderators Markus Kavka zu sagen: "Hamma wieder was gelernt."


welt2 Hamburg: Marco Vesace erklärt anhand eines Styroporkopfes, wie man Videospiele mit Gehirnströmen steuert.

Die Termine aller Science Slams sind unter www.scienceslam.de zu finden.


Von Josephine Thiel