Die männlichsten Momente der Filmgeschichte


„Das Erbe von Dirty Harry und John McClane“


Wenn ein Millionenpublikum der Liebesgeschichte eines netten Vampirs im Kinohit Twilight nachschmachtet, scheinen sämtliche Ideale des männlichen und coolen Filmhelden verloren zu sein. Doch es gab eine Zeit, in der Bruce Willis, Silvester Stallone oder Clint Eastwood immer einen coolen Spruch auf den Lippen hatten, bevor sie ihren Gegenspieler wegpusteten.


Als der bleiche Vampir in New Moon, dem zweiten Teil der Twilight- Serie, seine menschliche Freundin Bella fragt, ob sie ihn heiratet, greifen weltweit Millionen Zuschauer schluchzend nach ihren Taschentüchern. Andere müssen hier wohl unfreiwillig an den Vampirstreifen From Dusk till Dawn denken. Damals spielte der noch unbekannte George Clooney den skrupellosen, bis zum Hals tätowierten Gangster Seth Gecko, der sich mitsamt Komplizen und Geiseln in eine Vampir-Bar verirrt.


Als die Vampirkönigin ihm ewiges Leid in Sklaverei androht, wehrt Clooney kühl mit dem Satz ab: „Nein danke, ich war schon mal verheiratet.“ Dieser Moment belegt einen der vorderen Plätze in der Hall of Fame der männlichsten Filmmomente. Und unabstreitbar spielt George Clooney in dieser Szene einen ganzen Kerl. Damit steht er Schulter an Schulter mit anderen Größen, die Robert Pattinson oder Richard Gere die Stirn bieten und ein fast vergessenes Bild des männlichen Filmhelden hochhalten.


Ganz vorne steht hier auch Silvester Stallone als wortkarger John Rambo. Denn der zweite Teil der Reihe ist ein Musterbild an männlicher Action. Der Film versprüht dabei so viel Testosteron, dass selbst der Versuch des Drehbuchautors, eine Liebesgeschichte einzubauen, vom Regisseur eiskalt abgestraft wurde. 28 Sekunden (!) nach dem ersten Kuss wird Rambos Geliebte auch schon wieder dahingerafft. Letztendlich fasst der Film selbst zusammen, warum Rambo einer der männlichsten Filmhelden ist: „Wer denkt der Typ, wer er ist? Gott?“ –„Nein. Gott kennt Gnade. Rambo nicht.“


Ein weiteres Paradebeispiel dieser Gattung ist der von Steve McQueen verkörperte Bullitt. Der versucht im gleichnamigen Film, einen Kronzeugen zu beschützen, der gegen die Mafia aussagen soll. Höhepunkt des Films ist eine etwa zehnminütige Verfolgungsjagd durch San Francisco. Bullitt jagt in seinem Ford Mustang einem Dodge Charger hinterher, während das Ganze von keinem einzigen Ton des Filmorchesters unterlegt wird. Einziger Soundtrack dieser grandiosen Sequenz sind die Motorengeräusche der beiden rasenden Boliden. Dass der Dodge dabei mehr Radkappen verliert als er Räder hat, wird zur Nebensache, die nur kleinliche Film - freaks bemerken.


maenner Foto: Maik Seete

Auch Clint Eastwood hatte in seiner Karriere einige solcher Rollen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist er wohl als Dirty Harry. In dieser Rolle hatte Eastwood gleich fünf Mal die Chance, Gangstern mit seiner 44er Magnum das Fürchten zu lehren. Mit genau dieser hindert er in einer legendären Szene eine Gruppe Bankräuber an der Flucht – während er noch seinen Frühstücks-Hot Dog zu Ende kaut.


In dieser Auflistung darf natürlich Bruce Willis in seiner Paraderolle als John McClane in der legendären Stirb Langsam-Reihe nicht fehlen. Zum Erscheinen des ersten Teils verkörperte McClane das Bild eines neuen Filmhelden. Entgegen dem bis dahin typischen Saubermann- Image trinkt und raucht er, hat Eheprobleme und ist sowieso ziemlich angepisst von der Tatsache, dass er seinen Silvesterabend damit verbringen muss, üble Terroristen umzunieten. Da muss man ihm hoch anrechnen, dass er noch ein lockeres „Yippijayeah, Schweinebacke“ ablässt, bevor er den Chef der Bande von einem Hochhaus wirft und mit diesem Spruch gleichzeitig Filmgeschichte schreibt.


Zugegeben, vielen der genannten Filme fehlt es vielleicht an Tiefe, eventuell ist die Geschichte auch nicht immer bis ins letzte Detail ausgereift oder die schauspielerischen Leistungen schreien nicht gerade nach einem Oscar, aber eines haben sie ihrer Konkurrenz doch voraus, denn sie zeigen, dass der harte und dennoch lässige Kerl früher einmal das ideale (Kino-)Bild eines Mannes war.


Doch nicht nur knallharte Typen verdienen den Titel eines richtigen Mannes. Austin Powers zum Beispiel wirkt mit seinem 60er Jahre-Stil nicht wie ein abgebrühter Draufgänger, ist aber so manchen männlichen Kollegen um Einiges voraus. Wenn er mit seinem Balztanz so viel Erotik ausstrahlt, dass selbst den weiblichen Killerrobotern die Schaltkreise um die Ohren fliegen, ist klar wer die Hosen anhat.


Er trinkt für sein Leben gerne Milch, hat panische Angst vorm Fliegen und ist ein großer Kinderfreund - diese beiden Eigenschaften weisen zwar nicht auf den Klischeemann Nummer Eins hin, aber wer einmal die Actionserie Das A-Team verfolgt hat, der weiß, was für ein Herz in B.A. Baracus` Brust schlägt. Zum einen fährt der von Mr. T verkörperte Muskelprotz einen Van, von dem jeder mittlerweile erwachsene Junge heute noch träumt. Zum anderen schafft das A-Team es jede Folge aufs Neue, unter Anleitung von B.A. alte und verrostete Gefährte in gefährliche Kampfmaschinen umzubauen. Und dass meist unter Lebensgefahr, Zeitdruck und natürlich mit nur spärlich vorhandenen Materialien.


Von Maik Seete