Entschuldigung, könnten Sie bitte mal kreativ sein?


Unternehmen fordern Kreativität auf Knopfdruck. Doch ist sie überhaupt lernbar?


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Die Bewerbung sollte es sein, die Ideen im Assessement Center und die spätere Arbeit auch - alles und jeder fordert von einem: Werde Kreativ! Jetzt. Einfach so. Als ob originelle Ideen aus dem Ärmel zu schütteln seien. Dabei sind sogar ganze Berufsstände von der Kreativität des Arbeitnehmers abhängig: Ob Buchautoren, Modedesigner oder Mitarbeiter in Werbeagenturen sie alle müssen auf Knopfdruck neue Ideen entwickeln. Doch ist es denn überhaupt möglich, einfach mal eben innovativ und spitzfindig zu sein? Ist Kreativität herstellbar und wie ein Handwerk erlernbar? Und kann man das managen? Kreative Prozesse zu erforschen und herauszufinden, wie man diese beherrscht, gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung.


Doch ob man Kreativität herstellen kann, ist seit jeher Bestandteil von Überlegungen verschiedenster Fachrichtungen. So nahm der Dichter Heinrich von Kleist im Jahr 1805 an: "L´idee vient en parlant" ("Der Idee kommt während des Sprechens"). Er war der Meinung, ein Problem ausschließlich damit lösen zu können, indem man ein Gespräch mit jemandem sucht weil sich beim Sprechen neue Gedanken entwickeln. Der Wissenschaftler Ernst Pöppel erweitert die Idee, indem er unter anderem das Gehen oder Schreiben hinzuzieht. Diese Aktivitäten bieten, wie das Sprechen auch, die Möglichkeit, Probleme zuzuordnen und neue Ideen zu finden. Hintergrund dabei ist, sich als Kreativschaffender einen idealen Rahmen zu schaffen, um einfallsreich zu sein. Dieser ist bei jedem Menschen unterschiedlich, kann also das Joggen durch den Wald oder ein Gespräch mit dem Partner sein und ermöglicht, das eigene Handeln zu reflektieren und folgend neue Gedanken entstehen zu lassen. Das Konzept kann weiter gedacht werden: Ideen damit herzustellen, indem mehrere Personen hinzugezogen werden das sind die neueren Ansätze der Kreativitätsfindung. Behielt man den Einfall von Innovationen in der Sturm und Drang-Zeit ausschließlich Genies vor, vertritt man heute die mehrheitliche Annahme, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Dazu finden sich in Kreativitäts- und Problemlösungsseminaren ganze Menschenansammlungen ein, um im Kollektiv einfallsreich zu sein. Das Stichwort hierbei heißt Diversität: Indem mehrere, am besten möglichst verschiedene, Menschen ihre Ideen sammeln, entstehen neue, innovative Gedanken ganz nach dem Brainstorming-Prinzip.


Von Josephine Thiel